Familienbande

Anlässlich der Taufe unserer Kleinen ist die Familie meiner Frau angereist. Bzw die Eltern.

Mit meinen Schwiegereltern ist es immer so eine Sache. Einfach nur einfach ist es nie. Sie lieben ihre Enkelkinder und sie lieben auch ihre Kinder. Aber sie mischen sich ein. Viel. Oft. Es nervt. Es nervt jedes Mal. Und es kostet unglaublich viel Kraft da einfach drüber zu stehen, es die paar Tage zu ertragen und dann zu wissen jetzt geht es erst mal wieder seinen gewohnten Gang bis zum erneuten Wiedersehen in einigen Wochen (uns trennen +500km).

Dieses Mal ist das irgendwie nicht so gut gelungen. Schwiegermutter hat ein enormes Problem damit wenn die Große zurechtgewiesen wird. Leider hat unsere Große aber derzeit eine sehr anstrengende Phase. Wie man das mit fast 4 eben einfach hat. Man weiß alles besser, man kann alles besser, man wird gerne mal richtig frech und vor allem kann man die Ohren komplett auf Durchzug stellen. Natürlich kommt noch dazu, dass es total aufregend und spannend ist wenn Omi und Opi da sind. Die Taufe war aufregend, es ist aufregend dass sie Kita-frei hat, dass wir 30 Grad haben ist auch aufregend und schlägt sowieso allen aufs Gemüt und auf den Kreislauf und es ist aufregend, dass wir bald in den Urlaub fliegen. Und nicht zuletzt spiegelt sie unsere Aufregung, unseren Stress der letzten Tage. Das ist uns allen klar und das sind natürlich auch mildernde Umstände. Aber: deswegen kann sie nicht komplett freidrehen und hier machen was sie will. Hier leben einfach noch andere Menschen im Haus und die haben auch ihre Bedürfnisse.

Das weiß die Muckeline auch und sie ist auch meistens ein rücksichtsvoller Mensch und auch durchaus kompromissbereit. Nur im Moment eben nicht. Und so kommt es vor, dass wir durchaus mal strenger und auch mal lauter werden (müssen). Nun kommt Schwiegermutter ins Spiel. Sie kann es nicht haben wenn die kleine Große zurechtgewiesen wird. Sie mischt sich dann sofort ein, fällt uns Eltern ins Wort, versucht Muckelines Aufmerksamkeit auf sich zu lenken -was natürlich auch funktioniert- und straft uns mit blicken die sagen „wie könnt ihr nur?“ „Das arme Kind!“

Im Großen und Ganzen war das schon immer so und wir kennen es. Neue Probleme die sich jetzt aber auf tun sind, dass unsere Muckeline fast 4 ist und langsam genau weiß dass sie bei Omi mit allem durchkommt. Und sie weiß auch genau, dass Omi und wir nicht im selben Boot sitzen. Das ist schlecht. So hört die letzten Tage nicht für Geld und gute Worte, macht viel Blödsinn und schaltet bei jeder kleinen Gelegenheit die Sirene an. Heute habe ich dann leicht meine Contenance verloren und Schwiegermutter angeranzt. Natürlich war sie gleich schwer getroffen und die Herzlichkeit mir gegenüber ist auch etwas auf der Strecke geblieben. Ich habe ihr dann noch einen langen Text geschrieben und versucht ihr meinen Standpunkt zu erklären.

Tja, gebracht hat es nichts. Heute Abend ging es genau so weiter wie immer.

Es ist zum verzweifeln und ich frage mich wie das demnächst dann noch gehen soll mit der Großen. Wie ist das bei euch mit den Schwiegereltern? Habt ihr da auch ein paar spezielle Exemplare oder ist alles Tutti?

Die Sorgen eine Co-Mama…

…scheinen hier größtenteils unbegründet zu sein!

Man hat ja doch als werdende Regenbogenfamilie so hin und wieder sorge, dass man sich 1000x erklären muss, dass einem wenig bis gar kein Verständnis entgegengebracht wird, dass man unangenehme Fragen beantworten muss, dass die Co-Mama nicht als solche gesehen und dadurch mehr oder weniger von sämtlichen Vorgängen ausgeschlossen wird. Zumindest ging es uns, bzw. mir, so.
All das scheint hier aber völlig unbegründet zu sein. Schon beim letzten Mal, als wir zur Geburtsanmeldung hier waren, fiel uns der entspannte Umgang der Ärztin mit uns positiv auf. Heute hat sich dieser Eindruck bisher nur bestätigt. Als wir uns heute früh um 8 an der Pforte meldeten und die Dame dort uns fragte ob wir denn wüssten was wir alles für die Anmeldung der Kleinen bräuchten, fragte sie auch (an meine Frau gerichtet) ob sie verheiratet ist, sie bejahte. Dann fügte die Dame an, gut, sie bräuchte dann Stammbuch, Personalausweise der Eltern, etc. Meine Frau erklärte ihr dann, dass sie mit mir verpartnert sei, woraufhin die nette Dame nur sagte „ach, das ist für mich verheiratet, ich brauch trotzdem beide ausweise, ich streich dann einfach hier Vater durch und trag ihre Frau ein, das hab ich letztes mal auch so gemacht!“ Wir waren baff. Kurz darauf erzählte sie noch ihre Tochter sei auch verpartnert und wünsche sich Kinder, aber sie wüssten noch nicht wie sie das angehen sollten. Wir haben dann kurz verschiedene Möglichkeiten erläutert und gesagt bei Fragen stehen wir gerne zur Verfügung. 🙂
Dann kamen erstmal verschiedenste Untersuchungen dran bis endgültig entschieden war, dass meine Frau stationär aufgenommen wird. Als uns die Oberschwester dann auf der Station rumgeführt hat, stellte meine Frau mich als eben das, ihre Frau, vor und die Schwester strahlte mich nur an und sagt „ach, das ist ja toll, meine Schwester ist auch verpartnert, ich find das immer wieder so spannend wenn wir mal ein Frauenpaar hier haben was ein Baby bekommt.“ Doppel baff. 😀
Ich weiß nicht weshalb, aber ich hatte schon Angst davor mich hier ausgegrenzt zu fühlen und „schräg angeguckt“ zu werden, aber das ist zum Glück ganz und gar nicht der Fall und ich bin irre froh über die Wahl des Klinikums, auch wenn der Start ja damals nicht so rosig war.