Jugendamtstermin

Am Mittwoch hatten wir endlich das erste Kennenlernen mit der Dame vom Jugendamt zwecks Muckelines Adoption. Fast das gesamte Jahr doktern wir nun schon daran rum und endlich kommt es so richtig ins Rollen. Bis auf den Bericht des JA liegt dem Gericht jetzt auch alles vor und nach dem Hausbesuch Anfang Dezember, an dem die Dame vor allem die Muckeline kennenlernen will, geht es dann hoffentlich auch alles recht zügig. 

Es war auch wirklich eine sehr sympathische Frau die uns gegenüber sehr entspannt rüber kam und sich sehr für den offenen Umgang mit sämtlichen Familienformen aussprach und dafür, dass das alles „normaler“ werden müsse. Fanden wir toll. Es macht den Eindruck, dass es eine Formsache ist und ich hoffe der Eindruck bestätigt sich. 

Gefragt hat sie vor allem wie wir uns kennengelernt haben, wie lange wir ein Paar sind wie und was wir arbeiten, was wir verdienen, wie wir wohnen und ein bisschen in Richtung wie wir die Muckeline erziehen bzw. hatte ich den Eindruck, sie wollte etwas raushören wie wir mit ihr umgehen und ob es evtl eine Rollenverteilung gibt oder so. 

Es bleibt spannend und ich bin sehr gespannt wie es weiter geht und besonders wie lange es jetzt eben noch dauert. 

Erfüllt von tiefer Traurigkeit 

So fühle ich mich, besonders nochmal seit gestern.

Gestern gab es im Zuge des Tags der offenen Tür unserer Einrichtung einen besonderen Gottesdienst (katholische Einrichtung). 

Schon auf dem Weg zum Dienst rollten mir im Auto die Tränen bei den Songzeilen „Don’t you worry don’t you worry child! See heaven’s got a plan for you.“ Da wusste ich schon, wenn ich so drauf bin, muss ich in der Kirche, vor allen Kindern und Kolleginnen/Kollegen der Einrichtung garantiert heulen. Und genauso kam’s. Schon vorm Hinsetzen bekam ich feuchte Augen. Bei „Halleluja“ rollten die Tränen und bei den Fürbitten konnte ich grade noch ein lautes Schluchzen unterdrücken. Unsere Aushilfe (sie weiß als einzige direkte Teamkollegin nicht Bescheid) guckte mich die ganze Zeit verwundert an. Achja, hab ich schon erwähnt, dass wir erste Reihe saßen?! Oh man… 

Als ich dann zum Schluss eine Kerze für unser Sternchen entzündete und meine Teamleitung mit mitfühlend anguckte brachen endgültig alle Dämme und ich flüchtete auf die Toilette… 

seitdem kann ich diese permanente Trauer irgendwie gar nicht mehr abschütteln… ich bin so aufgewühlt, dass ich heute sogar ziemlich reizbar unserer kleinen Muckeline gegenüber war, was mich dann natürlich noch mehr aufwühlt, weil ich so ungeduldig und unfair war… ich habe mich hundert Mal entschuldigt und bin jetzt auch noch vom schlechten Gewissen geplagt. 

Und jetzt lieg ich hier auf Arbeit im Bett und die Tränen laufen über. 

Verdammt! Das Leben ist manchmal so furchtbar ungerecht! 

Wie hat eine gute Freundin so treffend geschrieben?! : „Ach kleines Gummibärchen, du wurdest schon so geliebt!“

Ausschabung und Zyklusapp

Hallo ihr Lieben! 

Ich habe die OP gut überstanden und fühle mich okay. Heute morgen habe ich brav (wie gefordert 😉 ) geduscht und mich vorbereitet. Zwei Stunden bevor ich meinen Termin hatte habe ich mit einem Glas Wasser die zwei Cytotec eingenommen, ansonsten war ich nüchtern. Etwa eine Stunde später wurde die Blutung deutlich stärker, zum Glück aber ohne Schmerzen. Mein Termin war um 10:15, etwa gegen 10:30 wurde ich zum Umkleideraum gebracht, musste Schmuck und Kleidung ablegen, OP Hemd, Haube, Schlüpper usw anziehen und wurde dann zu meinem Bett im Aufwachraum gebracht. Da bekam ich die Braunüle und eine super Droge zur Beruhigung. Kurze Zeit später hat mich der Anästhesist abgeholt und in den OP gebracht. Als ich auf dem Stuhl lag kamen mir trotz Droge die Tränen, es war so entgültig und ich hatte auch etwas Angst. Aber schneller als ich denken konnte bekam ich schon das Propofol und weg war ich. Alle waren sehr nett, haben lieb mit mir gesprochen und die OP Schwester hat mir sogar die Tränen weggewischt. Leider bin ich dann auch mit Tränen aufgewacht, aber meine Frau durfte direkt zu mir, ich konnte mich recht schnell beruhigen und außer etwas Unterleibsschmerzen und recht starker Blutung ging’s mir gut. Ich musste trotzdem noch etwa 1,5 std liegen und überwacht werden, gegen 1 durften wir endlich gegen. Mittagessen (Burger King) habe ich sehr gut vertragen. Am Nachmittag kam nerviges Kopfweh und jetzt bin ich sehr schlapp und etwas zitterig. Ich denke die ganze Anspannung fällt ab und mein Körper ist jetzt einfach geschafft. 

Ich mache mir nun schon Gedanken, dass ich gerne bestimmen würde wann mein nächster Eisprung ist. Nicht unbedingt um ihn zu nutzen, einfach nur um es zu wissen. Ovus könnten schwierig werden, durch das HCG werden sie bestimmt noch recht lange positiv sein. Ich hoffe es baut sich schnell ab und mein Körper bildet brauchbaren ZS und andere Anzeichen. 😉 was mache ich allerdings mit meiner Zyklusapp frage ich mich. Ich nutze Periodtracker, da konnte ich die Schwangerschaft und dann auch einen frühzeitigen Abbruch durch Fehlgeburt eingeben. Jetzt steht da „Vorausberechnung wird aufgenommen sobald sie das erste Periodendatum nach Ende der Schwangerschaft eingeben „. Ist das quasi jetzt? Was würdet ihr da eingeben? Eigentlich ist es ja nicht die richtige Periode aber ja doch irgendwie zyklustag 1. ich bin verwirrt. 

Warten…

Meine Frau wurde gerade in die Umkleide gerufen und wird jetzt für die Ausschabung vorbereitet.

Die Schmierblutungen waren heute morgen wohl ein bisschen mehr. Der Körper hat es also auch endlich verstanden… 😕

Ich werde jetzt warten bis die OP vorbei ist und ich den Daumen hoch von den Ärzten bekomme. In den Aufwachraum darf ich eh nicht. Also werde ich mich dann mit ein paar Erledigungen ablenken…

Edit: ich habe keine Erledigungen gemacht, da ich doch in den Aufwachraum durfte. Meine Liebste hat alles gut überstanden, war nur nach/von der Narkose sehr emotional. Jetzt haben wir gegessen und Schatzi ruht sich aufm Sofa aus bevor die Muckeline von der KiTa zu Hause ist.

Schmierblutungen 

Seit heute Vormittag hab ich jetzt Schmierblutungen. Auf der einen Seite ist das ja ganz gut, es bedeutet schließlich, dass der Muttermund weicher geworden ist und beginnt sich zu öffnen. Das ist ja gut für die OP und dann wirken die Cytotec die ich morgen einnehmen muss vielleicht noch besser. Andererseits beunruhigt es mich etwas. Wenn die Blutungen stärker werden und/oder Schmerzen auftreten muss ich ins Krankenhaus fahren und das ist wirklich das letzte was ich möchte. 

Ich habe mir dann heute auch die Aufklärungsbögen durchgelesen und unterschrieben. Das war nochmal ein echter Realitätscheck, ab morgen ist meine Schwangerschaft dann endgültig vorbei und mein Bauch leer. Irgendwie macht mich das beklommen, ich bin traurig, dass ich unser Baby nicht weiter beschützen kann und darf. 

Ein Punkt auf dem Aufklärungsbogen, der mich schon am Donnerstag zum Schmunzeln brachte, war in den Verhaltensregeln: „Bitte am Morgen vor der OP duschen.“ Da ich selbst im medizinischen Bereich arbeite weiß ich, ja, es ist notwendig darauf hinzuweisen. Aber ich finde es so traurig. Ich kann mir immer nicht vorstellen wie man ungewaschen zum Arzt gehen kann. Egal zu welchem Arzt. Ich glaube ich kann an einer Hand abzählen, dass ich nicht frisch geduscht zum Arzt gegangen bin und das war immer dann wenn es mir wirklich richtig schlecht ging, mit hohem Fieber etc. oh weh, gut, dass mir Körperhygiene beigebracht wurde. 

Wie dem auch sei, ein weiser Mann (Glenn Rhee) sagte einmal „Mein Glas ist immer halb voll!“ Und so kamen heute in der Post meine Ovulationstests und eine Ladung Folio Forte. Ich hoffe inständig mein Körper erholt sich schnell und dass morgen alles komplikationslos und gut verläuft. 

OP-Vorgespräch

Zum Glück waren alle sehr nett. Der Arzt der mich operiert hat mal (vor 100 Jahren) mit meiner Oma zusammen gearbeitet, die war nämlich Oberschwester auf der Gynäkologie. Irgendwie gibt mir das ein gutes Gefühl, er hatte auch nur nette Worte für meine Oma, vielleicht guckt sie ja zu und passt auf, dass er alles richtig macht. 😉 

Geschallt wurde selbstverständlich auch nochmal, aber leider hat die volle Dosis Red Bull die ich mir am Morgen gegeben habe keine Wunder bewirkt. Das Kleine sah sehr süß aus, als hätte es die Ärmchen verschränkt. Ich war im Nachhinein sehr traurig, dass ich nicht gefragt habe ob ich das Bild haben kann. Das was ich von Montag habe ist ja leider nicht so schön, da sieht es schon so aus als wäre es nicht okay. Naja, in meiner Gyn Praxis wurde am Mittwoch ja auch noch eins gemacht, vielleicht druckt sie mir das noch aus wenn ich zur Nachkontrolle muss. Apropros Nachkontrolle, der Doc meinte dass manche Ärzte eine Wartezeit von 6 Monaten empfehlen, er sagt aber 1-2 Zyklen braucht es zum regenerieren der Rest ist für die Seele und wenn die Patientinnen nach 8 Wochen wieder schwanger sind, dann ist das auch gut. 

Ich für meinen Teil werde mein Sternchen immer vermissen und nie vergessen, ich werde mich immer fragen was es für ein Persönchen geworden wäre. Aber ich kann es aktzeptieren, ich muss es. Ich glaube tief in mir wusste ich von Anfang an, dass es nicht gesund ist. Wir haben uns soviel über Trisomie unterhalten, ich wollte mich nirgends anmelden oder registrieren. Und ich bin „froh“, dass es jetzt passiert ist und nicht in einem fortgeschrittenen Stadium. Und ich bin froh, dass das Sternchen die Entscheidung zu leben oder nicht, selbst getroffen hat. 

Was ich sagen will, wir werden nicht lange warten um wieder zu hibbeln. Ich werde je nachdem was die Nachkontrolle zeigt bald wieder mit Ovus beginnen und hoffe einfach, dass ich nicht lange auf ein Folgewunder warten muss. Ich weiß der ein oder andere wird das nicht verstehen können, aber für uns fühlt sich das richtig an. 

Missed Abortion

Was uns eigentlich schon klar war wurde heute morgen traurige Gewissheit. 

Die Gynäkologin schätzt, dass das Baby bereits in der 8. oder 9. Schwangerschaftswoche gestorben ist. Es lag heute im unteren Bereich der Fruchthöhle und war weiter ausgestreckt, man konnte kleine Beinchen sehen aber leider keinen Herzschlag. Als sie es nochmal ausgemessen hat waren es nur 1,98cm. Viel zu klein für 11+0, da wäre ich heute eigentlich. 

Die Gynäkologin rät mir zur Ausschabung bzw Absaugung der Fruchthöhle. Morgen habe ich einen Termin zur Vorbesprechung weil ich es ambulant machen möchte. Krankenhaus kommt nicht in frage, stationär schon gar nicht. Der OP-Termin ist allerdings frühestens nächsten Dienstag. Kann gut sein, dass es bis dahin natürlich abgeht, kann aber auch gut sein, dass nicht. Immerhin hat mein Körper die letzten 3-4 Wochen schon nichts gemerkt. Obwohl ich den Eindruck habe, die kaum vorhandenen Symptome werden noch weniger. Mal schauen. Ich hätte nichts gegen einen natürlichen Abgang. 

Auf der einen Seite bin ich sehr rational. Ich weiß, dass statistisch jede 5. Schwangerschaft nicht hält, aber trotzdem übermannen mich immer wieder die Tränen. „Warum ich? Warum wir?“ Hallt im Kopf. Die Nackenfalte ist verdickt, das Gehirn nicht deutlich zu erkennen. Alles spricht für eine Trisomie, vermutlich 13 oder 18. Mit Sicherheit sagen kann sie das natürlich nicht, aber das sind eben die Auffälligkeiten die sie im Ultraschall sehen konnte. Mir ist es lieber so, als plötzlich in der 18.,19, oder 20. ssw zu erfahren, dass das Kind nicht lebensfähig ist. Ich denk auch wir werden es wieder versuchen, Anfang des neuen Jahres wahrscheinlich. 

O-Ton Gyn: „sie haben ihren Soll Pech erfüllt, das passiert Ihnen nicht nochmal.“ Ihr Wort in Gottes Gehörgang. Nichts desto trotz werde ich auf alles vorbereitet sein. Sie fragte mich auch, ob ich mich erinnern könnte als wir das erste mal bei ihr waren, mit lange unerfülltem Kinderwunsch, sagte sie sie denkt mein Fehlgeburtsrisiko ist wesentlich niedriger als das meiner Frau (damals keine Adipositas {jetzt Grad I} und Diabetes Typ I bei meiner Frau). Tja, so kann man sich täuschen. Aber ich bin froh, dass es meiner Frau nicht so ergangen ist und wir unser kerngesundes Muckelinchen haben.